Warum Zahnkontrollen beim Pferd so wichtig sind

26. November 2025 Von chrissi Aus
Zahnuntersuchung Pferd

Ein glänzendes Fell, klare Augen und gute Hufe gelten oft als sichtbare Zeichen für ein gesundes Pferd. Was im Alltag jedoch leicht übersehen wird, ist aus medizinischer Sicht mindestens ebenso bedeutsam: der Zustand der Zähne. Viele Probleme beginnen im Pferdemaul lange, bevor sie sich durch Rittigkeitsprobleme, Gewichtsverlust oder offensichtliche Schmerzen bemerkbar machen. Gerade weil Pferde Meister darin sind, Beschwerden zu kompensieren und sich nach außen hin „funktionstüchtig“ zu zeigen, werden Zahnprobleme häufig erst spät erkannt. Regelmäßige Zahnkontrollen sind deshalb kein Luxus für Sportpferde, sondern ein grundlegender Bestandteil verantwortungsbewusster Pferdehaltung – unabhängig davon, ob es sich um ein Freizeitpferd, einen Senior oder einen Hochleistungssportler handelt.

Wer einmal erlebt hat, wie sehr sich ein Pferd nach einer fachkundigen Zahnbehandlung verändert – entspannter im Genick, zufriedener beim Fressen, motivierter und ruhiger unter dem Sattel –, versteht schnell, dass im Maul des Pferdes weit mehr geschieht als nur das Zerkleinern von Futter. Ein gesundes Gebiss beeinflusst unmittelbar die Rittigkeit, das Wohlbefinden, die Verdauung und die gesamte Leistungsbereitschaft. In diesem Artikel beleuchten wir Schritt für Schritt, warum Zahnkontrollen so wichtig sind, wie das Gebiss des Pferdes aufgebaut ist, welche typischen Erkrankungen auftreten, wie eine moderne Untersuchung abläuft und was Sie als Besitzer konkret tun können, um Ihr Pferd langfristig gesund zu erhalten.

1. Die besondere Anatomie des Pferdegebisses

Um zu verstehen, weshalb Zahnprobleme beim Pferd so häufig sind, lohnt sich zunächst ein genauerer Blick auf die Anatomie. Das Pferd ist ein Pflanzenfresser, dessen Gebiss auf stundenlanges Kauen von rohfaserreicher Nahrung ausgelegt ist. Im Laufe seines Lebens schiebt das Pferd kontinuierlich Zahnsubstanz nach; der sichtbare Teil des Zahns ist nur die Spitze eines deutlich längeren Gebildes, das tief im Kiefer verankert ist. Durch das ständige Mahlen des Futters nutzt sich die Oberfläche der Zähne allmählich ab, während von unten neues Material nachtritt – ein fein ausbalanciertes System, das nur dann gut funktioniert, wenn Futterqualität, Kaubewegung und Zahnstellung harmonisch zusammenwirken.

Ein ausgewachsenes Pferd besitzt in der Regel 36 bis 44 Zähne, je nachdem, ob Hengstzähne (Canini) ausgebildet sind. Die vorderen Schneidezähne dienen hauptsächlich dazu, Gras und andere Pflanzen abzubeißen, während die großen Backenzähne im hinteren Maulbereich das Futter in einem ausgeprägten Mahlvorgang zerkleinern. Anders als beim Menschen liegen die Backenzahnreihen im Ober- und Unterkiefer nicht exakt übereinander: Der Oberkiefer ist etwas breiter, was die typische seitliche, halbkreisförmige Mahlbewegung ermöglicht. Schon kleine Abweichungen in dieser komplexen Mechanik können dazu führen, dass sich einzelne Zähne ungleichmäßig abnutzen, scharfe Kanten bilden oder sich die gesamte Kaudynamik ungünstig verändert.

Wichtig ist außerdem, dass die Zähne des Pferdes hypsodont sind, also eine lange Reservekrone besitzen, die über viele Jahre nachgeschoben wird. Wird dieses Reservoir frühzeitig fehlbelastet oder krankhaft verändert, kann das insbesondere im Alter zu erheblichen Problemen führen. Regelmäßige Kontrollen dienen daher nicht nur dazu, aktuelle Beschwerden zu beheben, sondern auch, die Zahnreserven des Pferdes möglichst lange funktionsfähig zu erhalten und das Gebiss über die gesamte Lebensspanne hinweg gesund zu halten.

2. Wie sich Zahnprobleme entwickeln – ein schleichender Prozess

Zahnprobleme entstehen beim Pferd nur selten von heute auf morgen. Meist handelt es sich um einen schleichenden Prozess, bei dem sich zunächst kleine Unregelmäßigkeiten bilden, die lange Zeit unbemerkt bleiben. Vielleicht nutzt sich ein Backenzahn ein wenig weniger ab als sein Gegenspieler, weil das Pferd eine Seite bevorzugt oder aus anderen Gründen asymmetrisch kaut. Oder das Futter besteht überwiegend aus weichem, strukturarmem Heu und energiereichen Müslis, die zwar schnell gefressen sind, der Kaubewegung aber wenig Widerstand bieten. Mit der Zeit können sich auf diese Weise Haken, Kanten, Wellen oder Stufen im Zahnbild entwickeln, die den natürlichen Mahlvorgang immer weiter stören.

Solche Veränderungen bleiben dem Besitzer zunächst meist verborgen. Das Pferd frisst scheinbar normal, braucht jedoch immer länger für seine Ration, sortiert bestimmte Futterbestandteile aus oder lässt einzelne Halme wieder fallen. Spätestens wenn beim Ausmisten ganze „Wickel“ unverdauter Halme auffallen – sogenannte „Quids“, die darauf hinweisen, dass das Pferd das Futter nicht mehr effektiv mahlt –, sollte man aufmerksam werden. Viele Halter interpretieren dies anfangs jedoch als Eigenheit oder schlechte Futterqualität und suchen erst dann Hilfe, wenn deutlichere Probleme auftreten.

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Parallel dazu können scharfe Kanten an den Backenzähnen die Maulschleimhaut oder Zunge verletzen. Es entstehen Druckstellen, kleine Wunden und Entzündungen, die für das Pferd sehr schmerzhaft sind. Manche Tiere beginnen, das Gebiss zu vermeiden, sperren das Maul auf, legen sich gegen die Hand oder zeigen plötzliche Widersetzlichkeiten unter dem Reiter, die schnell als reine Trainingsprobleme fehlgedeutet werden. Wird all das nicht erkannt, verstärken sich die Fehlbelastungen weiter, und aus einer zunächst kleinen Unregelmäßigkeit entwickelt sich eine handfeste Zahnerkrankung mit immer gravierenderen Auswirkungen.

3. Typische Anzeichen für Zahnprobleme beim Pferd

Pferde sind Meister im Kompensieren. In freier Wildbahn wäre es lebensgefährlich, Schwäche offen zu zeigen, und dieser Instinkt sitzt auch bei unseren heutigen Hauspferden noch tief. Deshalb sind Zahnprobleme häufig bereits weit fortgeschritten, wenn der Mensch die ersten eindeutigen Hinweise erkennt. Trotzdem gibt es eine Reihe von Anzeichen, auf die Sie bewusst achten können.

Ein häufiges frühes Symptom ist eine veränderte Fressweise. Das Pferd benötigt deutlich länger für seine Mahlzeiten, lässt immer wieder Futter fallen oder wirkt beim Kauen unruhig und abgelenkt. Manche Pferde kauen bevorzugt auf einer Seite, andere tun sich plötzlich schwer mit hartem Brot, Möhren oder Äpfeln, die früher problemlos gefressen wurden. Mit der Zeit kann das Pferd an Gewicht verlieren, obwohl Menge und Qualität des Futters gleich geblieben sind – ein deutliches Warnsignal, das häufig mit Zahnproblemen zusammenhängt.

Auch beim Reiten können sich Zahnerkrankungen bemerkbar machen. Ein Pferd, das plötzlich nicht mehr an den Zügel herantreten möchte, den Kopf hochreißt, sich im Genick festhält oder gegen das Gebiss arbeitet, hat nicht automatisch ein reines „Einstellungsproblem“. Sehr oft liegt eine körperliche Ursache zugrunde. Unsauberer Takt, Schwierigkeiten beim Stellen und Biegen, das plötzliche Verweigern von Lektionen oder das Ausfallen bestimmter Gangarten können Ausdruck von Schmerzen im Maul sein.

Weitere Hinweise sind unangenehmer Geruch aus dem Maul, einseitiger Nasenausfluss, vermehrter Speichelfluss oder sichtbare Schwellungen im Kieferbereich. Spätestens dann ist ein tierärztlicher Zahncheck dringend geboten. Ideal ist es jedoch, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, sondern regelmäßige Zahnkontrollen von vornherein als festen Bestandteil der Gesundheitsvorsorge einzuplanen.

4. Gesundheitsfolgen unentdeckter Zahnprobleme

Unbehandelte Zahnprobleme haben weitreichende Folgen, die weit über das Maul hinausgehen. Zunächst leidet die Futteraufnahme: Kann das Pferd sein Raufutter nicht mehr gründlich zerkleinern, wird der Verdauungstrakt stärker belastet. Größere, unzureichend zerkleinerte Futterstücke gelangen in Magen und Darm, werden schlechter aufgeschlossen und erhöhen das Risiko für Koliken, Fehlgärungen und Nährstoffmängel. Ein schlechtes Gebiss kann somit indirekt die Entstehung zahlreicher anderer Erkrankungen begünstigen, die auf den ersten Blick nichts mit den Zähnen zu tun haben.

Dazu kommen chronische Schmerzen. Wer selbst schon einmal unter Zahnschmerzen gelitten hat, weiß, wie sehr sie das allgemeine Befinden, die Konzentration und die Stimmung beeinflussen. Beim Pferd sind Schmerzen oft weniger offensichtlich, zeigen sich aber in Form von Gereiztheit, Rückzug, plötzlichen Abwehrreaktionen oder einer allgemeinen Unlust bei der Arbeit. Manche Tiere entwickeln Muskelverspannungen im Hals- und Rückenbereich, weil sie unbewusst versuchen, die schmerzende Region im Maul zu entlasten. Damit schließt sich ein ungünstiger Kreis: Die Leistungsbereitschaft sinkt, das Training macht weder Pferd noch Reiter Freude, und häufig wird zunächst an Sattel, Gebiss oder Reitweise gedacht, bevor jemand die Zähne in Betracht zieht.

In schweren Fällen können eitrige Entzündungen der Zahnwurzeln entstehen, die sich bis in die Kieferhöhlen ausbreiten. Solche Prozesse sind nicht nur extrem schmerzhaft, sondern oft auch mit aufwendigen Operationen und langen Heilungsphasen verbunden. Besonders im Oberkiefer liegen die Backenzähne in unmittelbarer Nähe zu den Nasennebenhöhlen; entzündete Wurzeln können dort Abszesse und chronischen Ausfluss verursachen. Was mit einer kleinen Unregelmäßigkeit hätte beginnen können, wird dann zu einem langwierigen Therapieprojekt, das für Pferd, Besitzer und behandelndes Team gleichermaßen belastend ist.

5. Wie oft sollte eine Zahnkontrolle stattfinden?

Die ideale Häufigkeit von Zahnkontrollen hängt von mehreren Faktoren ab: Alter, Nutzung, Fütterung, bisherige Krankengeschichte und individueller Gebisssituation. Als Faustregel gilt, dass bei den meisten Pferden mindestens einmal jährlich ein gründlicher Zahncheck erfolgen sollte. Jungpferde im Alter von etwa zweieinhalb bis fünf Jahren profitieren häufig von kürzeren Abständen, da in dieser Zeit der Zahnwechsel stattfindet, Milchzähne abgestoßen werden und sich das bleibende Gebiss sortiert. In dieser Phase können lose Zahnkappen, Engstände oder Retentionen auftreten, die sich bei frühzeitiger Behandlung gut korrigieren lassen und so spätere Probleme verhindern.

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Auch ältere Pferde sollten regelmäßig und im Zweifel häufiger kontrolliert werden. Mit zunehmendem Alter nimmt die Reservelänge der Zähne ab, der Abrieb verändert sich, und es können Zahnzwischenräume, Futtertaschen oder lockere Zähne entstehen. Wird hier rechtzeitig eingegriffen, können viele Tiere bis ins hohe Alter gut fressen und weitgehend beschwerdefrei bleiben. Pferde mit bereits bekannten Zahnproblemen, etwa ausgeprägten Wellen- oder Scherengebissen, benötigen oft zwei Kontrollen pro Jahr, um das Gebiss stabil zu halten und akute Beschwerden zu vermeiden. Ihr Tierarzt kann nach einer ersten ausführlichen Untersuchung einen individuellen Kontroll- und Behandlungsplan erstellen, der auf Ihr Pferd und seinen Einsatzbereich zugeschnitten ist.

6. Was passiert bei einer professionellen Zahnkontrolle?

Viele Pferdebesitzer sind unsicher, was bei einer gründlichen Zahnuntersuchung genau geschieht und ob ihr Pferd dafür sediert werden muss. Moderne Pferdezahnmedizin arbeitet mit speziellen Maulgattern, Stirnleuchten sowie Spiegeln oder Kameras, um wirklich alle Zahnflächen einsehen zu können. Im wachen Zustand ist dies meist nicht möglich, da das Pferd den Kiefer nicht lange genug geöffnet halten kann und Manipulationen im Maul als unangenehm empfindet. Eine milde, gut steuerbare Sedierung sorgt hier für Sicherheit und Ruhe – sowohl für das Tier als auch für das Behandlungsteam.

Zu Beginn tastet der Tierarzt Kopf, Kiefergelenke und Kaumuskulatur ab, prüft Symmetrie, Beweglichkeit und mögliche Schmerzreaktionen. Anschließend wird das Maul mithilfe des Maulgatters vorsichtig geöffnet. Die Schleimhäute von Wangen, Zunge und Gaumen werden auf Rötungen, Verletzungen oder Verdickungen hin untersucht, bevor die Zahnreihen selbst beurteilt werden. Mit Licht und Spiegel lässt sich das gesamte Gebiss bis zu den hintersten Backenzähnen inspizieren, sodass auch versteckte Probleme sichtbar werden.

Werden Unregelmäßigkeiten festgestellt, können diese in derselben Sitzung meist direkt behoben werden. Hierfür kommen spezielle elektrische Raspeln oder andere Instrumente zum Einsatz, die ein präzises Arbeiten ermöglichen, ohne die Zähne zu überhitzen oder zu beschädigen. Ziel ist nicht, ein „perfektes“ Zahnbild zu erreichen, sondern eine funktionale Balance: Die Zähne sollen schmerzfreies, effektives Kauen erlauben und die natürliche Kaubewegung unterstützen. In schwierigeren Fällen, etwa bei Verdacht auf Wurzelentzündungen oder tiefsitzende Abszesse, können Röntgenaufnahmen notwendig sein. Mobile Röntgengeräte ermöglichen dies mittlerweile auch in vielen Ställen, was besonders für empfindliche oder schlecht zu transportierende Pferde von Vorteil ist. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen anschließend in einen langfristigen Behandlungs- und Kontrollplan ein.

7. Zahnkontrolle und Reitbarkeit – mehr als nur „Maulgesundheit“

Die Auswirkungen eines gesunden Gebisses beschränken sich nicht nur auf Fresslust und Körpergewicht. Gerade im Reitsport spielt der Komfort im Maul eine zentrale Rolle. Ein Pferd, das bei jeder Zügelhilfe Schmerzen verspürt, kann nicht entspannt an die Hand herantreten, losgelassen in der Oberlinie schwingen oder sich vertrauensvoll an das Gebiss heran dehnen. Wenn Backenzahnkanten an der Maulschleimhaut reiben oder entzündete Strukturen im Maul vorhanden sind, werden selbst gut angepasste Gebisse zur Belastung.

Viele vermeintliche Trainingsprobleme lösen sich oder bessern sich deutlich, nachdem eine umfassende Zahnkontrolle und gegebenenfalls Behandlung durchgeführt wurden. Pferde zeigen mehr Vertrauen in die Reiterhand, lassen sich leichter stellen und biegen, akzeptieren das Gebiss besser und können das Kiefergelenk freier bewegen. Ein entspannter Kiefer steht in engem Zusammenhang mit einem lockeren Genick und einem tragfähigen Rücken – genau jenen Voraussetzungen, die für gesundes, kraftvolles Reiten unerlässlich sind.

Deshalb sollte jeder Sattelanpassung, jeder Gebissdiskussion und jeder intensiven Trainingsanalyse immer eine aktuelle zahnmedizinische Beurteilung zugrunde liegen. Erst wenn klar ist, dass keine schmerzhaften Veränderungen im Maul vorliegen, lohnt sich die Suche nach Ausrüstungsfragen oder rein reittechnischen Ursachen für Rittigkeitsprobleme wirklich.

8. Fütterung als Schlüssel zur Zahngesundheit

Neben der eigentlichen Zahnbehandlung ist die Fütterung der wichtigste Faktor, der über die langfristige Gebissgesundheit entscheidet. Das Pferd ist von Natur aus ein Dauerfresser, der einen Großteil des Tages damit verbringt, kleine Mengen rohfaserreicher Nahrung aufzunehmen. Jede Stunde, in der ein Pferd nicht kauen kann, widerspricht seiner natürlichen Physiologie und wirkt sich mittel- bis langfristig auch auf Zähne und Verdauung aus.

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Hochwertiges, langhalmiges Heu bildet die Grundlage jeder ausgewogenen Ration. Es zwingt das Pferd zu intensiver Kaubewegung, fördert die Speichelbildung und sorgt für einen gleichmäßigen Abrieb der Backenzähne. Kurz geschnittenes Heu, Heulage oder sehr feine Mischungen können zwar praktische Vorteile in der Fütterung haben, leisten dem Zahnabrieb aber deutlich weniger Vorschub. Konzentratfutter in Form von Müslis oder Pellets kann in bestimmten Situationen sinnvoll sein, sollte jedoch Ergänzung bleiben und nicht die Hauptrolle in der Fütterung übernehmen.

Auch Beschäftigungsangebote wie Heunetze, Slow-Feeder oder Raufutterraufen können die Kaudauer verlängern und gleichzeitig Langeweile im Stall vorbeugen. Früher war es verbreitet, Pferden regelmäßig hartes Brot zu füttern, in der Annahme, es würde die Zähne abnutzen. Heute weiß man, dass Stärke und Zucker darin eher den Stoffwechsel belasten, als nachhaltig zum Abrieb beizutragen. Raues, strukturiertes Raufutter ist daher die deutlich bessere Wahl. Im Rahmen einer Zahnkontrolle kann Ihr Tierarzt die aktuelle Futterration im Licht der Zahnbefunde beurteilen und konkrete Anpassungen empfehlen, die sowohl der Gebissgesundheit als auch dem Verdauungssystem zugutekommen.

9. Zusammenarbeit von Tierarzt, Dentalspezialist und Besitzer

Moderne Pferdezahnmedizin ist Teamarbeit. In vielen Regionen arbeiten Tierärzte eng mit spezialisierten Pferdedentalpraktikern zusammen, die sich intensiv mit den Besonderheiten des Pferdegebisses beschäftigen. Entscheidend ist, dass medizinische Verantwortung, Sedierung und eventuelle weiterführende Diagnostik immer unter tierärztlicher Leitung erfolgen, denn Zahnkorrekturen sind Eingriffe, die Kreislauf, Stoffwechsel und Schmerzempfinden beeinflussen können. Als Besitzer tragen Sie einen wichtigen Teil dazu bei, indem Sie Beobachtungen aus dem Alltag einbringen und Veränderungen frühzeitig ansprechen.

Vertrauen und Transparenz sind dabei enorm wichtig. Scheuen Sie sich nicht, nachzufragen, wenn Sie bestimmte Untersuchungsschritte oder Behandlungsmaßnahmen nicht verstehen. Lassen Sie sich Befundsheets erklären oder bitten Sie um Fotos, die das Gebiss vor und nach der Behandlung dokumentieren. Auf diese Weise lernen Sie mit jedem Termin dazu und entwickeln nach und nach ein geschulteres Auge für die Bedürfnisse Ihres Pferdes.

Wenn Sie mehrere Pferde halten, kann es hilfreich sein, ein kleines „Zahnprotokoll“ zu führen. Notieren Sie, wann welche Behandlung stattgefunden hat, welche Besonderheiten aufgefallen sind und wie sich Fressverhalten und Rittigkeit anschließend entwickelt haben. Diese Informationen helfen dem Behandlungsteam, Therapien besser abzustimmen und die Gebissgesundheit Ihrer Pferde langfristig zu sichern.

10. Fazit: Zahnkontrollen als Fundament für Gesundheit, Leistung und Lebensfreude

Die Bedeutung regelmäßiger Zahnkontrollen beim Pferd lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Ein gesundes Gebiss ist die Grundlage für Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und ein langes, möglichst beschwerdefreies Leben. Weil Pferde Schmerzen nur selten offen zeigen und viele Probleme im Maul von außen unsichtbar bleiben, reicht es nicht, nur dann aktiv zu werden, wenn bereits deutliche Symptome auftreten. Vorsorge ist in der Pferdezahnmedizin nicht nur kostengünstiger als eine aufwendige Therapie, sondern vor allem deutlich tiergerechter.

Wer sein Pferd regelmäßig zahnärztlich untersuchen lässt, investiert nicht nur in dessen aktuelle Gesundheit, sondern verhindert auch zahlreiche Folgeerkrankungen und unnötige Trainingsfrustrationen. Rittigkeitsprobleme werden seltener oder lassen sich leichter erklären, das Futter kann optimal genutzt werden, Verdauungsstörungen treten weniger häufig auf, und die Beziehung zwischen Mensch und Pferd profitiert von einem Partner, der frei von chronischen Schmerzen ist.

Ob Freizeitpferd auf der Weide, robust gehaltener Offenstallbewohner, Kinderpony oder Grand-Prix-Star – sie alle haben dieselbe Basis: ein funktionierendes Gebiss, das ihnen ermöglicht, ihr Futter in Ruhe zu kauen, Druck im Maul ohne Schmerzen zu akzeptieren und ihre natürliche Bewegungsfreude auszuleben. Nutzen Sie daher die Möglichkeiten der modernen Pferdemedizin, planen Sie regelmäßige Zahnchecks fest ein und betrachten Sie jeden Termin als wertvolle Investition in die Lebensqualität Ihres tierischen Partners – idealerweise begleitet durch einen erfahrenen Tierarzt in der Landeshauptstadt.

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